Armut

Auch bei uns leben Menschen in Armut. 30.000 bis 50.000 Menschen sind obdachlos und müssen auf der Straße leben. Ich finde, das ist eine Schande für ein reiches Land wie Deutschland. Armut ist aber mehr als extreme Armut. Arm ist, wer nicht genügend Ressourcen hat, um an dem üblichen Leben der Gesellschaft teilhaben zu können. In Deutschland leben nach dieser Definition 15% – das sind 12 Millionen Menschen – unter der Armutsgrenze. Mein Ziel ist, Armut zu beseitigen und Teilhabe für alle Menschen zu ermöglichen. Im Rahmen der Sustainable Development Goals der UN haben wir alle uns das Ziel gesetzt, bis 2030 extreme Armut ganz zu beseitigen und Armut in den reicheren Ländern nach nationalen Kriterien zu halbieren.

Armut in Deutschland und in der Europäischen Union war schon als Wissenschaftler eines meiner Schwerpunktthemen. Seit 1992 habe ich in etlichen Projekten als Armutsforscher gearbeitet, u.a. habe ich meine Doktorarbeit zum Thema Armut trotz Erwerbstätigkeit geschrieben. Meine Habilitation Essays on Income and Poverty Using a Life-Cycle Perspective war eine Sammlung von Veröffentlichungen und anderen Arbeiten von der Kinderarmut bis zur Altersarmut.

Um Armut zu beseitigen ist es notwendig, dass alle Menschen eine finanzielle Basis über der Armutsgrenze haben. Um das zu erreichen müssen die sozialen Sicherungssysteme armutsfest gemacht werden. Ich habe dazu in den vergangenen Jahren an zahlreichen Konzepten gearbeitet, um das erreichen, von der Kindergrundsicherung bis zur Garantierente. Ein besonderes Herzensanliegen ist die Beseitigung der Armut von Erwerbstätigen. Ich bin selbst als Sohn eines Schichtarbeiters aufgewachsen und habe mich in meiner Dissertation intensiv damit beschäftigt. Das Erschreckende ist, dass Armut trotz Erwerbstätigkeit viel weiter verbreitet ist als die meisten Menschen denken. Darunter sind viele Selbständige, Teilzeiterwerbstätige, aber auch viele Menschen mit Kindern. Deswegen ist die Kindergrundsicherung auch ein Mittel, um Armut trotz Erwerbstätigkeit zu verringern. Fast zwei Drittel der Erwerbstätigen sind verdeckt arm, haben also einen Anspruch auf Sozialleistungen, nehmen diese aber nicht in Anspruch. Deswegen ist ein Weg aus der Armut eine finanzielle Unterstützung, die automatisch gezahlt wird. Eine bedürftigkeitsgeprüfte Grundsicherung ist insbesondere für Erwerbstätige das falsche Mittel. Für Erwerbstätige könnte eine einkommensabhängige Leistung ins Steuersystem als so genannte negative Einkommensteuer integriert werden oder einkommensunabhängig als Grundeinkommen ausgezahlt werden – am Besten für alle, aber ich würde mit Erwerbstätigen und Kindern anfangen.

Ausgewählte Veröffentlichungen

Armut trotz Erwerbstätigkeit.
Analysen und sozialpolitische Konsequenzen

Frankfurter Beiträge zu Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Frankfurt/Main. Campus. 2003

Armut der älteren Bevölkerung in den Ländern der Europäischen Union.

DRV-Schriften des Verbandes der Rentenversicherungsträger (VDR), Band 54, Frankfurt/Main. 2004. (mit Richard Hauser)

In: Lüddemann, Otto/ Schachtschneider, Ulrich (Hrsg.): Grundeinkommen braucht Europa, Europa braucht Grundeinkommen, LIT Verlag, 2020. 

Download des Beitrags als pdf Sept. 2018

In: In: Huster, Ernst-Ulrich/ Boeckh, Jürgen/ Mogge-Grotjahn, Hildegard (Hrsg.) Handbuch Armut und Soziale Ausgrenzung. Wiesbaden: Springer VS. 3. Auflage, 2018 (mit Richard Hauser).

In: Giesselmann, M., Golsch, K., Lohmann, H., Schmidt-Catran, A. (Hrsg.) In: Lebensbedingungen in Deutschland in der Längsschnittperspektive. Springer 2017. S. 33-47

Download des Artikels als pdf.

In: Christoph Butterwegge (Hrsg.), Gerd Bosbach (Hrsg.), Matthias W. Birkwald (Hrsg.); Armut im Alter – Probleme und Perspektiven der sozialen Sicherung. Frankfurt: Campus Verlag 2012 (mit Dirk Jacobi). Überarbeitete Fassung in ZeS Report, 02/2012

Download des Artikels als pdf.

In: Linzbach, Christoph/Lübking, Uwe/Scholz, Stephanie/Schulte, Bernd (Hrsg.): Globalisierung und Europäisches Sozialmodell. Baden-Baden: Nomos. 2007

Zeitschrift für Sozialreform/ Journal of Social Policy Research, 52 (2006), 4, 439-466.

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